Michael Lapper

Büro und Werkstatt für Kunst

Riesen-Mikado – 3B in 3D

Räumliches Gestalten mit Holz

Grundschule Baierbrunn, 2014

„Was heißt dreidimensional?“
„Dreidimensional ist, wenn was aus dem Fernseher herauskommt!“

Und abseits der bekannten Parameter Länge, Breite, Höhe?
Mit leicht zu biegendem Draht nähern wir uns dem Thema an, etwas plastisch zu formen. Und wir gehen den nahegelegenen Hang zur Isar hinunter. Dort ist das ideale Reservoir, um den Baustoff, mit dem wir arbeiten wollen, kennenzulernen. Am zweiten Tag geht es in die Kunst-Werkstatt.
Im angrenzenden Sägewerk wird der Weg vom gefällten Baum mit seinen ablesbaren Jahresringen hin zum geschnittenen Brett oder Balken sichtbar. Wir beginnen mit zwanzig Dachlatten. Die 4 m langen sägerauen Latten werden in handwerklicher Gemeinschaftsarbeit gehobelt und geschliffen.
Die Dachlatten dienen als raumbildende Leisten und im Findungsprozess formt sich eine Art überdimensioniertes Stachelgebilde. Die Klasse hat eine Affinität zum Mikadospiel und so liegt die Entscheidung zu einem Riesen-Mikado nahe.

Beim anschließenden Großstab-Mikado zeigen sich noch einige Regel- und Schiedsrichterprobleme, die für ein Spielen auf dem Schulfest aber lösbar erscheinen:

„Wollt Ihr andere Klassen auch mit dem Mikado spielen lassen?“ „NEEEEEEIIIIIIN!!“
„Und wenn Ihr dann die Schiedsrichter seid?“ „JAAAAAAAAHH!“

Nach dem Motto „ein Großes mit allen zusammen und ein Kleines für jeden allein“ stellen wir zudem aus einem langen Abschnitt aus massivem Erlenholz einzelne feine Leisten her, die die Schüler auch selbst an der Dickenhobelmaschine auf 10 mm Dicke aushobeln.
Die astlose Erle lässt sich sehr gut biegen, wie sich in der Formung eines großen Iglus im Garten der Werkstatt zeigt. An dem Bau sind sowohl die spezifischen, statischen Merkmale von Holz gut nachzuvollziehen als auch die Bildung von Raum zu erleben. Wird an dem kleinen Spanngurt am Dach der ineinander verschränkten Leisten gezogen, federt das Gebilde durch wie eine Weberknechtspinne, die man anstupst.
Einen Tag später werden die Leisten, die bereits eine leichte Biegung und Torsion aufweisen, individuell bemalt.